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Von W├Âlfen und Menschen

von Hans Quintus

Wie eine bekannte Geschichte begann. Der alte Wolf und sein Hunger nach Liebe. Oder war es nur der Hunger...?

Er war schon ziemlich alt geworden, und das Laufen fiel ihm sichtlich schwer. Schon lange wusste er, dass seine Zeit beim Rudel zu Ende ging, und seit ├╝ber einer Woche beteiligte er sich nicht mehr an den Hetzjagden. Wenn die Beute verteilt wurde, bekam er als Letzter seinen Anteil. Das hei├čt, er musste fressen, was die Anderen ├╝brig lie├čen. Immer h├Ąufiger passierte es, dass f├╝r ihn nichts mehr liegen blieb. Weil er nicht mehr satt wurde und st├Ąndig Hunger hatte, wurde er noch schw├Ącher. Gestern hatte er das Lager erst tief in der Nacht erreicht und die jungen W├Âlfe knurrten gef├Ąhrlich, als er sich der Gruppe n├Ąherte. Er wurde ihnen schon langsam fremd. Heute hatte er das Rudel schon am Vormittag aus den Augen verloren. Das Letzte, was er von ihnen sah, war sein ├Ąltester Sohn, der die Nachhut sicherte und sich manchmal nach ihm umsah. Aber das war auch schon einige Stunden her, und sein Gang wurde noch schleppender und langsamer. Er musste immer ├Âfter Pausen einlegen, um sich auszuruhen, und so verlor er den Anschlu├č an seine Artgenossen. Jetzt war er ganz allein, und er wusste, so w├╝rde es auch bleiben.

Mit eingeknickten Hinterl├Ąufen schleppte er sich ins Unterholz und versuchte zu schlafen. Aber der Hunger, der in ihm w├╝hlte, lie├č ihn nicht zur Ruhe kommen. Er sah auf einmal Bilder, lebhafte farbige Bilder, die nur in seinem Kopf waren. Ganz klar sah er sich selbst als wolligen Welpen mit seinen Geschwistern auf der Mutter herumtollen, dann wieder, wie er als junger Mann mit den erwachsenen W├Âlfen ein verletzes Reh einkreiste. Pl├Âtzlich wechselte die Szene: Er lag inmitten des Rudels auf einer sonnendurchfluteten Waldlichtung, blinzelte schl├Ąfrig und zufrieden in die Sonne und sah seinen eigenen Kindern beim Balgen und Toben zu.

Auch jetzt lag er da, aber er war alt, hungrig und allein. Aber da geschah etwas Seltsames: Wie die Bilder so an ihm vorbeizogen, wurde er gefasst und immer ruhiger. Und noch etwas kam ihm in den Sinn: Bilder von D├Ârfern mit vielen H├Ąusern und Menschen. Kinder l├Ąrmten, H├╝hner und G├Ąnse liefen umher und zwischen den H├Ąusern waren gro├če Abfallhaufen mit essbaren Sachen. Aber vor allem die Menschen hatten es ihm angetan. Als er noch beim Rudel war, hatte er sie oft beobachtet. Er erinnerte sich auf einmal ganz deutlich daran, wie sie morgens auf die Felder zur Arbeit gingen, fr├Âhlich und lachend und wie sie abends m├╝de und hungrig beim Essen zusammensa├čen. Sein Entschluss stand auf einmal ganz klar vor ihm: Zu den Menschen wollte er. Dort gab es Geborgenheit und genug zu essen. Er brauchte ja nicht mehr viel, und das Wenige w├╝rde man ihm schon geben. Der Gedanke war so einfach, dass er sich wunderte, weshalb er nicht schon viel fr├╝her auf die Idee gekommen war, zu den Menschen zu gehen, denn immer schon hatten sie ihn seltsam angezogen. Fr├╝her, wenn ihm im Wald manchmal ein Mensch begegnete, blieb er immer ein wenig l├Ąnger stehen als die anderen W├Âlfe und sah ihnen heimlich zu. Einmal war er mutig gewesen und hatte einen Waldarbeiter sogar eine Weile ganz aus der N├Ąhe beobachtet.

Jetzt, da er sich einmal entschlossen hatte, fühlte er sich auch kräftig genug aufzustehen. Er ging langsam und mit sicheren Schritten auf einen Waldweg zu, von dem er wusste, dass er zu einem kleinen Dorf führte.

Gegen Abend kam er in die Nähe der Häuser. Schon von weitem roch er die Herdfeuer und spürte den Duft der Speisen, die für das Abendbrot bereitet wurden. Der Hunger trieb ihn an, und er lief ein wenig schneller. Plötzlich sah er die niedrigen Häuser und die erleuchteten Fenster gerade vor sich. Er erschrak, als er auf einmal einen großen Hund bellen hörte. Aber dann nahm er allen Mut zusammen und ging weiter, denn er wollte ja zu den Menschen, da durfte er sich von Hunden nicht abschrecken lassen.

Geradewegs ging er auf das Dorf zu und stand bald mitten auf der Hauptstraße, sah links und rechts von sich die Häuser. So nah wie jetzt war er noch nie bei den Menschen gewesen. Er spürte auf einmal, wie ganz langsam wieder die alte Angst in ihm hochstieg und blieb unsicher stehen. Es roch wundervoll und die Lichter in den Fenstern verbreiteten eine Wärme in seinem Inneren, wie er sie noch nie zuvor empfunden hatte. Aber gleichzeitig fühlte er sich unsagbar fremd. Vorsichtig setzte er eine Pfote vor die andere und ging tastend einige Schritte weiter.

Da bellte der Hund, den er schon einmal gehört hatte, diesmal beängstigend nah und böse rollend. Andere stimmten sofort ein und das ganze Dorf hallte wider vom Gekläff der Kettenhunde. Eine Tür sprang krachen auf und ein gelber Lichtschein erhellt schwach die Straße.

„Ein Wolf! Ein Wolf ist im Dorf!“ schrie der Mann „Kommt heraus Leute, schlagt ihn tot!“

Er erstarrt vor Schreck. So hatte er die Menschen noch nie erlebt. Was hatte er getan? Immer mehr Türen wurden aufgestoßen und das Geschrei der Männer und das Gebell der Hunde hallte schrill in seinem Kopf. Panik ergriff ihn. So schnell er konnte, drehte er sich um und lief die Straße zurück. Wieder in den Wald wollte er, bevor sie ihm den Weg abschneiden konnten. Nur im Wald war er sicher; das wusste er. Nachts verlassen sie selten ihr Dorf und den Wald würden sie bei Dunkelheit niemals betreten.

Keuchend und mit letzter Kraft erreichte er die ersten Bäume und kroch in ein dichtes Gebüsch. Seine Lungen schmerzten und die Flanken zitterten vor Anstrengung. Als er die schreienden Männer mit ihren Fackeln auf den Wald zukommen sah, kroch er auf dem Bauch tiefer in das dornige Unterholz. Dann blieb er liegen. Ohnmächtig vor Schwäche und Müdigkeit verlor er die Besinnung und schlief in der Dornenhecke ein.

Am nächsten Morgen, als die Sonne schon hoch am Himmel stand, erwachte er aus seinem tiefen Schlaf. Langsam wurden die Bilder der letzten Nacht in ihm lebendig und ihm wurde bewusst, was ihm widerfahren war. Er konnte nicht verstehen, weshalb die Menschen sich so sehr aufgeregt hatten. Und wie er so da lag und darüber nachdachte, was er denn jetzt tun solle, fiel sein Blick auf ein Mädchen.

Sie war jung und schlank, hatte einen Korb im Arm und trug ein rotes Käppchen auf ihrem blonden Haar. Mit leichten Schritten betrat sie den Wald und als sie an seiner Dornenhecke vorbei kam, wandte sie ihr Köpfchen zur Seite und ihr Blick traf geradewegs seine Augen.

Aber hier beginnt eine ganz andere Geschichte...




++++ Achtung Hundebesitzer! Aufgepasst! Die meisten Hundebesitzer füttern ihre Hunde immer noch mit Trocken- oder Dosenfutter. Das ist nicht artgerecht. Nähere Infos hierzu finden Sie hier: www.lobo-pro.com ++++